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Testbericht Grand Orca

 
Test Akustik Gitarre 2008 von Andreas Schulz

Was für ein Instrument: Eine zwölfsaitige Grand-Concert mit Cutaway und
massivem Riopalisander-Korpus. Nicht nur optisch, sondern auch in Klang und
Bespielbarkeit ist die Orca Twelve Cut von Christian Jablonski eine
besondere Gitarre.

Nun haben wir es schon in der Einleitung verraten: Diese Twelvestring hat
uns begeistert. Der folgende Testbericht erklärt, warum.
 
Konstruktion
 
Konstruktive Basis der Orca Twelve Cut ist ist ein Grand-Concert-Korpus aus
intensiv gemasertem Riopalisander, einem inzwischen selten gewordenen Holz,
das strengen Handelsbeschränkungen unterliegt. Der Korpus ist ungewöhnlich
handlich und verjüngt sich in Richtung Hals. Die Dicke beträgt an der
hinteren Zarge 11,8 cm, am Halsansatz ca. 9 cm. Der Boden ist aus zwei
Palisanderstücken spiegelgleich zusammengefügt und weist eine kräftige
Wölbung auf. Alle Korpuskanten sind mit mehrfarbigen Holz-Bindings abgesetzt
(Mahagoni und Ahorn), das Decken-Binding schmückt zusätzlich ein fein
ziseliertes Herringbone-Motiv. Dieses findet eine optische Entsprechung im
doppelten Schalllochring. Die Decke besteht aus deutscher Alpenfichte. Das
Holz ist unregelmäßig gezeichnet und weist einige wolkenförmige Zeichnungen
auf, die ihm eine wilde und etwas verwegene Note verleihen. Auch hier ist
die bookmatched ausgeführte Zusammenfügung deutlich zu sehen. Für die
Stabilität der Decke sorgt ein bemerkenswert sauber ausgeführtes Scalloped
Bracing aus Fichtenleisten, bei dem der Gitarrenbauer einige individuelle
Idden verwirklicht hat. Die Bebalkung des Bodens wurde mit Mahagonileistchen
durchgeführt. Hier ist eine Sorgfalt auszumachen, die man nicht alle Tage
antrifft.
 
Der Steg besteht wieder aus Riopalisander, die schwarzen
Ebenholz-Steckerchen tragen kleine Perlmutt-Augen. Der Saitenweg führt über
die Stegeinlage aus ungebleichtem Rinderknochen zum Sattel aus dem
künstlichen knochenähnlichen Material Tusq zu den vergoldeten Schaller
Mini-Mechaniken mit Ebenholzflügeln. Kleine Mechaniken sind bei
Twelvestrings üblich, um drohende Kopflastigkeit zu vermeiden. Bei der
Jablonski Orca Twelve funktioniert das bestens, denn sie liegt gut
ausbalanciert in der Hand.
 
Der Hals besteht aus Cedro und trägt ein Ebenholzgriffbrett mit 20 regulären
Bünden plus zwei extra Stäbchen für die beiden höchsten Saiten; hier ragt
das Griffbrett mit elegantem Schwung ins Schallloch hinein. Die Bundierung
erfolgte mit mittelhohen und auffallend breiten Bundstäbchen. Diese sind
perfekt abgerichtet und entgratet, außerdem wurden sie penibel poliert, so
dass auch bei kräftigem Fingervibrato keinerlei schabende Nebengeräusche zu
hören sind. Die Kopfplatte ist in Höhe der ersten Mechanik angesetzt und auf
der Vorderseite mit Ebenholz furniert. Der charakeristische spitze Schwung
und das Perlmutt-Logo aus Dreieck und Punkt gehören zu Christian Jablonskis
Trademarks. Weitere Verzierungen sind auf dem Griffbrett zu finden: Kleine
Perlmuttpunkte in den Bünden I, III, V, VII und IX, ein großer Punkt mit
Metalleinlage in Bund XII.
 
Die Orca Twelve Cut ist rundum sauber verarbeitet und besteht aus
hochwertigen Materialien. Die Hochglanzlackierung verleiht dem Rio-Korpus
eine dreididmensionale Tiefenwirkung verleiht. Hier gibt es den einzigen
kleinen Kritikpunkt: An einer Stelle ist eine winzige Lacknase auszumachen,
die man zwar kaum sieht, aber ertasten kann. Ansonsten ein perfektes
Instrument. Die Sorgfalt des Gitarrenbauers ist gerade auch im tadellosen
Innenleben des Instrumentes zu erspähen.
 
Elektronik
 
Christian Jablonski hat in Absprache mit dem Kunden ein B-Band A6.2-System
verbaut. Dieses besteht aus zwei Tonabnehmern und dem Zargen-Preamp. Die
Signale des Steg-Pickups (UST = Under-Saddle-Transducer) und des
Kontakttonabnehmers unter der Decke (AST = Acoustic Soundboard Transducer)
werden mit Minifader gemischt, zusätzlich gibt es eine Voreinstellung der
Signalstärke pro Pickup. Weitere Regler sind Lautstärke, Bässe, Mitten und
Höhen. Gegen Feedbacks findet man einen Phasenschalter und ein Notchfilter,
das in Stärke und Frequenz regelbar ist. Abfallend Batteriespannung wird von
einer roten LED signalisiert. Das Batteriefach ist in der hinteren Zarge
untergebracht, ebenso die Klinkenausgangsbuchse. Das B-Band A6.2-System ist
ausgereift und ob seines guten und praxistauglichen Klanges allseits
respektiert. Manch einem Gitarristen mag es allerdings als Frevel
erscheinen, einen Rio-Korpus mit Auschnitten für Preamp, Batteriefach und
Klinkenbuchse zu "verletzen".
 
Handhabung und Klang
 
Das erste große Aha-Erlebnis betrifft die Handhabung der Jablonski Orca
Twelve Cut. Tatsächlich hat man kaum das Gefühl, eine Zwölfsaitige unter den
Fingern zu haben. Diese Gitarre spielt sich leichter als so manches
sechssaitige Modell. Grund ist die optimale Abstimmung aller Komponenten und
Werte, die für ein gutes Spielgefühl maßgebend sind. Die Halsbreite beträgt
50 mm am Sattel und 58 mm am XII. Bund. Dazu kommen ein angenehm flaches
Halsprofil mit satter oberer Rundung, das dem Daumen beste Auflagefläche
bietet, sowie die perfekte Einstellung von Halskrümmung und Saitenlage.
Diese ist an der unteren Grenze des Machbaren justiert, provoziert
Unsauberkeiten dennoch nur bei kräftigsten Anschlägen. Auch die saubere
Bundierung und Sattelkerbung plus die geschmeidig arbeitenden Mechaniken
tragen zur vollen Punktzahl in der Handhabungsnote bei. Der kundige
Gitarrist kann sich auf dem leicht verbreiterten Griffbrett gewohnt
leichtfüßig bewegen und ist keinerlei Einschränkung oder Schwerfälligkeiten
unterworfen.
 
Klanglich ist die Orca Twelve Cut aus der Werkstatt von Christian Jablonski
eine Offenbarung. Eine so offene, springlebendige und charaktervolle
Tonentfaltung findet man nicht oft. Die Gitarre war mit nicht zu kräftigen
Saiten bestückt - eine gute Wahl, denn so bleibt der Ton leicht und luftig.
Wer die Twelvestring zur Song-Begleitung einsetzen möchte, wird beim
Strumming mit einem mächtigen und druckvollen Klang belohnt, raumfüllend und
tragfähig, bestens geeignet als Grundlage für Sänger oder andere
Instrumentalisten. Durch die Wahl des Plektrums kann man den Klang
maßgeblich beeinflussen, da die Orca sehr sensibel auf den Anschlag
reagiert. Mit einem kräftigen Pick tönt es voluminös und erdig, ein weiches
flexibles Plektrum entlockt der Gitarre flirrende Klangflächen, die dennoch
keinerlei Klarheit und Durchsetzungsvermögen vermissen lassen. Über den
Anschlag lässt sich der Klang gezielt steuren: Kraftvolles Strumming
produziert einen eher mittigen Sound, sanfteres Zupfen bringt den Klang eher
in die Hifi-Ecke mit prominenten Bässen und Höhen.
 
Wir auf unserer Begleit-CD zu hören meistert die Orca Twelve Cut
Single-Note-Linien mit bemerkenswertem Fokus und eindeutiger Ausdruckskraft.
Die Oktavierung der Saiten wird von der Gitarre wunderbar umgesetzt, die
hohe Trennschärfe der einzelnen Töne bleibt voll erhalten. Dank der guten
Bespielbarkeit sind auch Hochgeschwindigkeitsläufe gut umzusetzen, ohne dass
die Noten verschwimmen oder die linke Hand in Not kommt.
 
Der orchestrale Klang dieser Twelvestring wird auch den Fingerstyle-Spielern
zusagen. Unabhängige Stimmführungen werden bestens unterstützt, satte Bässe
bilden ein gutes Fundament, auf dem die klaren und unmissverständlichen
Mitten aufsetzen, oben abgerundet von den kristallinen Spitzlichtern der
hohen Frequenzen. All dies produziert die Twelvestring in festem
Zusammenklang, bei dem dennoch die feine Auftrennung einzelner Noten und
Saiten erhalten bleibt. Dank der Vielseitigkeit dieser Gitarre und der
geschmeidigen Umsetzung aller Anschlagsvarianten sind orchestral angelegte
Stücke im Stil eines Ralph Towner genau so möglich wie Pattern-orientierte
Pickings a la Leo Kottke. Deftige abgedämpfte Basslinien, glockige
Flageoletts, komplexe Akkorde, schnelles Powerpicking - all das setzt die
Jablonski Orca Twelve Cut hervorragend um und ist damit in der Hand des
kundigen Gitarristen ein absolut professionelles Instrument der Oberklasse.
 
Fazit
 
Mit der zwölfsaitigen Orca Twelve Cut, in der getesteten Ausführung ein
Custom-Modell genau nach Kundenvorstellung, ist Christian Jablonski ein
hervorragendes Instrument gelungen. Materialien und Verarbeitung bewegen
sich auf höchstem Niveau, die Bespielbarkeit ist für eine Zwölfsaitige
sensationell, die Klangcharakteristik zeigt sich raumfüllend und orchestral.
Die Orca pflegt eine klare und wohl definierte Sprache und wartet nur auf
den Gitarristen, der ihr mit sensiblem Anschlag und weitem Dynamikumfang
kunstvolle Klangbilder entlockt. Ein absolut inspirierendes Instrument, die
ideale Begleiterin für Profis und Anspruchsvolle.
 
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